Nicht überall, wo Brücke draufsteht, ist DIE BRÜCKE drin!

Am 19. März dieses Jahres erschreckte uns folgende Nachricht: „Polizei durchsucht gemeinnützigen Verein Brücke Rendsburg wegen des Verdachts der zweckwidrigen Verwendung von circa 1,5 Mio. Euro.“ Bislang gilt die Unschuldsvermutung. Die Staatsanwaltschaft bestreitet, dass es sich um Unterschlagung handelt. Dennoch sind solche Schlagzeilen nur schwer wieder aus der Welt zu schaffen und verursachen Vertrauensschäden.
Wir, DIE BRÜCKE Lübeck und Ostholstein, befürchten, dass dadurch das Wort Brücke, das ebenfalls Bestandteil unseres Markennamens ist, in schlechtes Licht geraten könnte. Mich persönlich schockieren die Vorfälle in Rendsburg. Besonders, weil es schon der zweite Fall dieser Art ist. Seit fast einem halben Jahrhundert widme ich mein ganzes hauptberufliches und ehrenamtliches Dasein der BRÜCKE Lübeck und Ostholstein. Außerdem war ich Zeitzeuge der Entstehung verschiedener Organisationen, die sich ähnlich nannten wie wir.
Wegen seiner Symbolkraft taucht das Wort Brücke schon lange überall dort in der Wohlfahrtspflege auf, wo es gilt, „Brücken zu bauen“. In Lübeck war es 1974 unser Verein, der sich DIE BRÜCKE nannte, weil er Auswege für psychisch Kranke aus geschlossenen Anstalten zurück in ein selbstbestimmtes Leben schaffte.
Ehrenamtliche, damals noch Laienhelferinnen genannt, holten die Langzeit-Patientinnen aus den Landeskrankenhäusern, wenn auch zunächst nur stundenweise, um sie auf kurzen Ausflügen zu begleiten. Den Betroffenen gab das Hoffnung: „Der Besuchsdienst der BRÜCKE kommt. Darf ich auch mit, und werde ich vielleicht sogar bald entlassen?“
Neue Organisationen mit ähnlicher Ausrichtung fragten bei uns an, ob sie sich ebenfalls als Brücke bezeichnen dürfen. Nach reiflicher Überlegung stand für uns fest: Da Patient*innen unter dem Begriff ein Konzept verstehen, das ihnen Perspektiven aufzeigt, sollte dieser Aspekt Priorität haben und den betroffenen Menschen gerne Orientierung bieten. So sind Brücken mittlerweile über die Landesgrenzen hinaus zu einem Synonym für gemeindepsychiatrische Versorgung geworden, aber nicht allen ist bewusst, dass es sich regional um völlig unterschiedliche Träger handelt, die ähnliche Namen haben. Einige sind große Unternehmen geworden, so z. B. Brücke Schleswig-Holstein gGmbH und besagter Verein Brücke Rendsburg. Wie wir sind diese Organisationen rechtlich eigenständig. Verbunden hat uns aufgrund ähnlicher Ziele bisher unsere Mitgliedschaft im PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein. Im letzten Jahr allerdings ist Brücke Rendsburg e. V. aus dem Verband ausgetreten.
Lassen Sie uns weiterhin daran arbeiten und darauf hoffen, dass das Wort Brücke seiner Bedeutung gerecht bleibt und lassen wir vor allem nicht zu, dass negative Schlagzeilen eine so erfolgreiche Geschichte wie die der Gemeindepsychiatrie in Schleswig-Holstein in Zweifel ziehen. Ich jedenfalls möchte so etwas nicht lesen müssen. Es schmerzt!
Dirk Wäcken, Vorsitzender DIE BRÜCKE Lübeck und Ostholstein e. V.